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Donnerstag, 30. Mai 2013

Zwangsumbenennung der Leverkusener Nordkurve in "Bollwerk"

Gestern wollte ich herausfinden, ob die Umbauarbeiten für unseren neuen Stehplatzbereich, der schon zu Beginn der neuen Saison fertiggestellt sein soll, bereits begonnen haben. Dafür besuchte ich bayer04.de, jedoch nur mit wenig Hoffnung, dort eine Antwort auf meine Frage zu finden; liest man auf der offiziellen Vereinsseite doch vorrangig glattgebügelte PR-Texte anstelle informativer – und vorallem kritischer – Auseinandersetzung mit aktuellen Themen.
Ich stieß auf die Tageskarteninformationen und die unterschiedlichen Töpfe für die neue Saison, nach denen sich die Ticketpreise bemessen. Meines Erachtens ein absolutes Unding, diese Töpfe, grundsätzlich schon, und in der willkürlichen Zuteilung der Vereine erst recht.


Borussia Mönchengladbach in Topf A, aufgrund eines vermeintlichen "Rheinderbys", das in Realität doch kaum Bedeutung hat. Auf der einen Seite warnen DFL und Politiker nur allzu gerne vor den Gefahren eines Stadionbesuchs (unvergessen Sandra Maischbergers Bezeichnung der Ultras als "Taliban des Fußball"), während auf der anderen Seite die Vereine selbst künstlich Brisanz in eine harmlose Begegnung wie Bayer 04 Leverkusen gegen Borussia Mönchengladbach bringen. (Zu bringen versuchen?) Zumal in Leverkusen. Nirgendwo wirkt ein Polizeipferd so deplatziert wie auf den stets nur sehr überschaubar mit Fans gesäumten Fußwegen im Leverkusener Stadtpark.
Aber ich schweife ab. Während ich mich noch fragte, womit der SC Freiburg es verdient hat, als immerhin Europa League-Teilnehmer in der kommenden Saison nur in Topf C zu landen, bemerkte ich etwas noch schlimmeres: Der neue Fanbereich "BOLLWERK". Wat? Wann ist das denn passiert? Warum weiß ich nichts davon?

Wenige Stunden später stellte sich heraus, dass es nicht nur mir so ging. Niemand wusste davon, und niemand wurde in diese Entscheidung mit einbezogen. Ich zitiere nachfolgend, quasi vollumfänglich, den gestern verschickten Newsletter der Nordkurve 12 zur Umbenennung der Nordkurve (Hervorhebungen von mir). In voller Länge im Blog der Nordkurve 12 nachzulesen.
Informationen zum Ticketverkauf für die Saison 2013/2014 sind seit heute dem 28.05.13 auf der Homepage von Bayer 04 veröffentlicht. Dort wird nun auch ein neuer Name aufgeführt: "Bollwerk".

Seitens unserer Vereinsführung wurde vorab die Gruppe Ultras Leverkusen über das Interesse informiert, unserer Nordkurve einen neuen Namen zu geben. Damit wurde auch deutlich gemacht, dass man die Initiatoren der Aktion mit in die Namensvergabe einbinden wollte. Nach einiger Überlegung und Diskussion kam man relativ schnell überein, dass eine solche Umbenennung nicht tragbar und völlig unnötig ist. Der Name „Nordkurve“ ist ein gewachsener Begriff, mit dem sich jeder aktive Fan, der sich bewusst für diesen Platz im Stadion entscheidet, absolut identifiziert. Der Bereich im C , D & E Bereich Nordkurve Leverkusen wird seit jeher nicht anders genannt und hat seine eigene Tradition. Mit einem Namenswechsel nimmt man nicht nur die Identifikation, sondern reisst wieder eine Kluft des Unverständnisses zwischen Vereinsführung und Fans, die sich im Laufe der abgelaufenen Saison doch so positiv entwickelt hat.

Die Frage, die sich uns nun stellt, warum wird eine Gruppe in eine Entscheidungsfindung eingebunden, um die geschlossene Meinung dieser Gruppe dann doch zu ignorieren. Diese Umbenennung zieht Konsequenzen mit sich, die sowohl die UL als auch wir als NK12 nicht mittragen werden.
In Leverkusen wurde schon viel zu häufig der Fehler begangen mit alten Traditionen zu brechen oder diese nicht genügend zu leben. Anscheinend hat man aus eben diesen Fehlern nicht gelernt und versucht nun wieder einen Namen aufzudiktieren und etwas zu ersetzen, was über Jahre aus der Masse der Fans gewachsen ist.

Es sind hierzu von Vereinsseite keine weiteren Gespräche mit der aktiven Fanszene geplant. Wir rufen von daher auf aktiv zu werden!!
Schreibt Mails an die Fanbetreuung (fanbetreuung@bayer04.de) und Herrn Holzhäuser persönlich (wolfgang.holzhaeuser@bayer04.de), führt mit sachlicher (!) und konstruktiver (!) Kritik auf, warum ihr diese Entscheidung nicht akzeptieren könnt. Schreibt Briefe und nutzt Fanforen. Die Vereinsführung soll wissen, wie schwer uns eine Namensänderung trifft, wie sehr uns die Identifikation genommen wird.
Wir können etwas bewegen!
Ich liebe diesen Verein, aber ich werde nie verstehen, wie es immer wieder zu diesen Fehlentscheidungen kommen kann. Die Außendarstellung der Vereinsführung ist oft genug nicht weniger als katastrophal. Unser an unser Traditionsproblem gekoppeltes Imageproblem wird quasi aktiv aufrecht erhalten, indem tatsächlich natürlich Gewachsenes, wie unsere Nordkurve und ihr Name, durch künstlich Geschaffenes ersetzt wird. Und dann auch noch Bollwerk. Dass unsere Kurve kein Bollwerk ist, ist leider allzu bekannt. Die Erweiterung des Stehplatzbereichs war, ist, ein erster Schritt auf dem langen Weg in Richtung einer lebendigen, ernstzunehmenden Fan-Kurve. Aber nicht mit dem Namen.

EDIT (30.05.2013, 18:50 Uhr):
Und das war's auch schon mit dem Bollwerk! Der Name wurde wieder verworfen, unsere Kurve bleibt die Nordkurve. Hier Auszüge aus dem heutigen Statement der NK12:
Nun erfuhren wir voller Freude, dass seitens der Geschäftsführung ein Einlenken signalisiert und der Name “Bollwerk” somit ad acta gelegt wurde. Die Nordkurve bleibt NORDKURVE!
Mit dazu beigetragen haben nicht zuletzt eure konstruktiven Mails, die seit gestern im Postkorb unseres Geschäftsführers gelandet sind, wofür wir euch noch einmal herzlich danken möchten. Aber auch weitere interne Gespräche und auch die Überzeugungskraft der Fanbetreuung spielten hierbei eine tragende Rolle.

Wir sehen das kurzfristige Einlenken von Herrn Holzhäuser als Zeichen und Ergebnis des gut funktionierenden Dialogs zwischen Fans und Verein und der gewachsenen Vertrauensbasis, die man vor allem in den vergangenen Monaten noch weiter intensiviert hat. Wir danken dem Verein für die schnelle Einsicht, die zeigt, dass wir hier in Leverkusen nicht so ohne weiteres übergangen werden und unsere Belange Gehör finden.

Bleibt nur die Frage, warum man solche Belange, mit doch weitreichenden Folgen, nicht zuerst intern abklärt, und dann falls dann überhaupt noch erforderlich kommuniziert? Die letzten 24 Stunden waren wieder mal typisch Leverkusen. Aber mit sehr erfreulichem Ausgang.

Freitag, 18. Mai 2012

Passt schon! – Sicherheit im Stadion

Bei der aktuellen Diskussion um das "Skandal-Spiel von Düsseldorf" (ohne Worte) fällt mir ein Begriff immer wieder besonders auf. Todesangst. Die Hertha-Spieler wollten nach dem vorzeitigen Platzsturm der Fortuna-Fans nicht zurück auf's Spielfeld, weil sie "Todesangst" hatten. Ich wage das zu bezweifeln. Und gerade weil es mir vorgeschoben erscheint, finde ich es noch erschreckender, wie leichtfertig ein solches Wort verwendet wird.
Als ich im Dezember 2011 in Bochum beim DFB-Pokalspiel gegen Bayern München im Bochumer Gästeblock stand da hatte ich Angst. Aber das hatte nichts mit den Fans zu tun, die waren nicht gewaltbereit. Im Gegenteil, die waren sehr charmant. (Vorallem nachdem ich im Gedränge meinen Freund verloren hatte und fast das gesamte Spiel allein verbrachte.) Beängstigend fand ich an diesem Abend die Organisation im Stadion und der Ordner. Als wir um 18:45 Uhr, 15 Minuten vor Anpfiff, am Eingang des Gästeblocks ankamen, war ein Reinkommen nicht mehr möglich. Die einzige Treppe, die in den Block führt, war komplett überfüllt. Menschen, die auf der Treppe schon weit genug oben waren, zogen sich am seitlichen Geländer der Reihen hoch in den Block Bilder, die mich, ohne zu übertreiben, an die Loveparade in Duisburg erinnerten.
Dass der Bochumer Gästeblock winzig klein und notorisch überfüllt ist, ist bekannt. Dass gerade das für viele seinen Charme ausmacht, auch. Als ich das letzte Mal mit Leverkusen beim Bundesliga-Auswärtsspiel in Bochum war, war es eng, aber nicht zu eng, nicht beängstigend eng. Das würde schon passen (literally), dachte ich mir, aber ich hatte die Bayern-Fans unterschätzt. Beim Pokalspiel der Bayern in Bochum wurde mir vor Augen geführt, wie klein unsere Fanszene in Leverkusen doch ist.
Das Schockierendste an diesem Abend war für mich, dass die Ordner kapituliert und nach eigener Aussage eines Ordners mit dem ich mich vor dem Block unterhalten habe, das Innere des Gästeblocks verlassen haben. Der gesamte Block war also sich selbst überlassen ohne einen einzigen Ordner. Wieviel so ein Ordner im Ernstfall im Block auszurichten vermag ist sicherlich fragwürdig, aber die Tatsache, dass da niemand mehr war, um auch nur den Schein von Sicherheit zu wahren, fand ich sehr erschreckend. Die Karten wurden auch schon längst nicht mehr kontrolliert, aber bei nur zwei Ordnern vor dem Block angesichts der hereindrängenden Menschen auch quasi unmöglich. Was auch der Grund für die Überfüllung war – Bayern-Fans mit Karten für benachbarte Blöcke konnten unkontrolliert in den Gästeblock umziehen. Natürlich ist auch dieses Reinholen Usus in jedem Stadion, in Leverkusen genauso, aber in Bochum war es meiner Meinung nach an dem Punkt, wo einem der gesunde Menschenverstand davon abraten sollte. Aber auch hier frage ich mich, ob ich aufgrund Leverkusener Umstände vielleicht einfach nur verweichlicht bin?

Als ich am ergangenen Dienstag die Bilder aus der Esprit-Arena im Fernsehen sah (das Stadion und vorallem die Altstadt habe ich bewusst gemieden), hab ich mich vor allem eins gefragt: Wie haben es die Berliner geschafft so viel Pyro ins Stadion zu schmuggeln? Und warum sind die Ordner nicht in der Lage einen frühzeitigen Platzsturm der Düsseldorfer zu verhindern?
Ich bin wahrlich kein Gegner von Pyrotechnik, aber Bengalos sind nicht zum Werfen gedacht und wer das macht ist dumm und gefährdet andere. Nur glaube ich leider , dass es schwieriger ist junge Fans von der Pyro-Faszination loszubekommen, als die Stadionsicherheit so zu verschärfen, dass die mit dem Kram einfach nicht mehr reinkommen. Aber wie kann dann sowas wie am Dienstag passieren? Ich kann hier nur von Leverkusen sprechen, aber habe den Eindruck, dass es überall ähnlich ist: die Anforderungen, die an einen Ordner gestellt werden sind gering bis nicht vorhanden. Es wird scheiße bezahlt, man muss drei Stunden vor Spielbeginn da sein, es ist mega langweilig – wer will es einem Ordner verübeln, dass da Verantwortung und Pflichtgefühl dem Job und den Zuschauern und Fans gegenüber zu wünschen übrig lassen. Gerade, wenn doch in 9 von 10 Fällen nichts passiert. Aber auch die körperliche und gesundheitliche Verfassung (soweit man das von seinem Platz im Stadion beurteilen kann) einiger Ordner ist mitunter erschreckend und man fragt sich, wie so ein Einschreiten der Ordner im Ernstfall aussehen soll.
Nur ist man beim Ruf nach höheren Qualitätsstandards bei der Stadionsicherheit schnell bei der üblichen Frage. Wer soll das bezahlen? Wenn ich für'n Zehner meinen Steher im Stadion sicher hab, kann ich nicht auch noch Sicherheit erwarten.

Die Düsseldorfer werden nicht müde zu betonen, dass der Platzsturm beim Relegationsspiel ein friedlicher war, und das glaube ich auch. Bloß weiß man sowas vorher nicht, man sieht es den Fans nicht an, ob sie friedlich oder gewaltbereit sind ("Ein Familienvater und einer, der nicht aussah wie ein Familienvater"). Und bei einem möglichen 2:3 der Berliner in der Nachspielzeit hätte die Stimmung bei den bereits an der Seitenlinie versammelten Fortuna-Fans auch schnell kippen können. Wie bereits beim Einsatz von Pyrotechnik angesprochen halte ich es für aussichtlos bei den Fans anzusetzen zielführender bei den Stadien und Sicherheitsdiensten anzusetzen, auch wenn die Fans die Kosten dafür tragen müssen. Ich zahle gerne ein paar Euro mehr, um meine Sicherheit in die Hände von Menschen zu geben, die darauf auch Bock haben und sich ihrer Verantwortung bewusst sind. Und wenn mein kleiner Bruder die erhöhten Ticketpreise nicht bezahlen kann, dann helfe ich ihm halt aus. Um ihn mache ich mir nämlich auch immer Sorgen, wenn er ohne mich in den Stadien dieser Welt unterwegs ist.

Mittwoch, 9. Mai 2012

Unterstützt die Aktion Libero!

Am 07. Juni findet in Köln der Come-Together-Cup statt und die wundervollen Menschen hinter der Aktion Libero werden dort mit einem Stand vertreten sein. Für Flyer, Buttons und Banner werden 161,25 € benötigt. Ihr könnt das Ganze unterstützen, indem Ihr auf der Aktion Libero-Website auf den Spenden-Button klickt. Auf Anfrage gibt es auch eine Bankverbindung für die Leute, die, wie ich, Paypal doof finden und/oder kein Paypal-Konto besitzen und trotzdem ein bisschen Geld loswerden möchten.
Ich werde am 07. Juni übrigens auch in Köln dabei sein und jeder der die Aktion gut findet, ist herzlich eingeladen ebenfalls vorbeizuschauen. Ich freue mich schon sehr.

Samstag, 18. Februar 2012

Wie beim ersten Mal

Eine Halbzeit ausnahmsweise auf der Haupttribüne zu verbringen, ist ein bisschen wie zum ersten Mal im Stadion sein.
Ich erinnere mich nicht mehr an die Details meines ersten Stadionbesuchs, dafür folgten zu kurz darauf zu viele weitere ich glaube, ich war nach meinem ersten Spiel bei jedem weiterem Heimspiel der Saison. Aber an das Grundgefühl erinnere ich mich noch sehr gut.


Der Geruch des feuchten Rasens, das dumpfe Geräusch, wenn ein Spieler gegen den Ball tritt – diese Dinge habe ich heute wieder, wie zum ersten Mal, wahrgenommen. Im C-Block, unserer kleinen Stehkurve in der Ecke, riecht man den Rasen nicht und hört nicht den Ball.
Stefan Kießling läuft viel schneller als ich vom C-Block und von vor dem Fernseher aus den Eindruck gewonnen hatte, und vorallem viel kompakter und kontrollierter. Man erfasst wie groß das Spielfeld tatsächlich ist, und ich konnte mir ungefähr vorstellen, wieviel Kraft es kosten muss, ständig von der einen Seite zur anderen und wieder zurück zu rennen, wie beispielsweise der Augsburger Lorenzo Davids es vor uns getan hat. (Der dann auch in der 61. Minute ausgewechselt wurde.)
Ich verspürte heute tatsächlich mitunter kindliche Freude unsere Spieler aus der Nähe zu sehen. Es wurde schon mehrfach geschrieben, aber es ist toll zu sehen wie sich beispielsweise Lars Benders Körpersprache auf dem Platz entwickelt hat, und es ist toll, das aus der Nähe zu sehen. (Lars Bender for Captain!)


Der C-Block ist mein Zuhause. Aber als beim 1:1 ein "Robin, mach's doch wie Wulff und tritt zurück"-Spruchband ausgerollt wurde, war ich froh in F zu sitzen. Ich identifiziere mich mit vielen Elementen unserer aktiven Fanszene, aber mit genauso vielen nicht. Ein bisschen Abstand ist da von Zeit zu Zeit ganz wohltuend.

Sonntag, 16. Oktober 2011

Mehr Fußball, weniger Drumherum


Was für ein Scheißspiel! Ich war gestern in Gladbach, und es hat keinen Spaß gemacht. Weder das, was die Jungs auf dem Platz veranstaltet haben, noch das, was im Gästeblock vonstattenging.
Die Serie, in 19 Auswärtsspielen in Mönchengladbach ungeschlagen, sowie die ganz okay-e Aufstellung (und das ist ja derzeit schon Anlass zur Freude), stimmten zunächst optimistisch. Das Fehlen Ömer Topraks wurde irritiert zur Kenntnis genommen, aber ein Blick in die Twitter-Timeline verriet schnell, dass er aufgrund von Grippe nicht aufgestellt wurde. Zudem Ballack von Beginn an, sehr gut.
Nun ja, nach nur wenigen Minuten Spielzeit war der anfängliche Optimismus bereits wieder verflogen. Die Gladbacher waren gut, viel besser als wir. Wie inzwischen üblich rannte unsere Abwehr den Offensivspielern der gegnerischen Mannschaft hinterher, in diesem Fall Marco Reus, der allen Platz und alle Zeit dieser Welt hatte. Leverkusen hätte sich auch über vier oder fünf Gegentreffer nicht beschweren dürfen, hätte Gladbach nicht so ein Pech gehabt und so oft Pfosten, Latte oder Leno getroffen, oder knapp am Tor vorbeigeschossen.
Robin Dutts Entscheidung Michael Ballack auszuwechseln, zumal für Simon Rolfes, konnte ich nicht verstehen, aber auch das scheint sich jede Woche zu wiederholen, darum möchte ich dazu auch keine (weiteren) Worte mehr verlieren. Da muss man ja schon von Glück sprechen, dass Renato Augusto verletzt ist, sonst hätte Dutt ihn wohl auch noch eingewechselt. (Gute Besserung an dieser Stelle an Renato! Ihr wisst ja, was ich sagen will.)
Ansonsten habe ich vom Spiel aufgrund der notorisch schlechten Sicht im Gladbacher Gästeblock nur wenig mitbekommen. Normalerweise würde ich die Partie dann zu Hause nochmal aufarbeiten, mithilfe von Sky, der Sportschau, dem Aktuellen Sportstudio (was zur Hölle war das gestern für ein Quatsch mit KMH und dem armen Stani?), das gestrige Spiel allerdings möchte ich lieber vergessen. Auch weil ich mich so über die Vollidioten in unserem Block geärgert habe. Ich verstehe nicht, wieso man Feuerzeuge auf andere Menschen wirft. Ich verstehe nicht, wieso man sich von (harmlosen) gegnerischen Fans im Nebenblock provozieren lässt – und wir reden hier von Gladbach! Das sind Familienväter! –, um dann eine Armada an Bierbechern rüberzuwerfen. Das sind die Momente, in denen ich mich für unseren Block schäme, und mir die Lust an Auswärtsspielen vergeht. Vielleicht bin ich auch einfach zu alt für so einen Scheiß.
Aber auch in unserem eigenen Block in der BayArena ist es nicht anders. Ich bin bestimmt nicht support-faul, schon gar nicht spießig oder zimperlich, ich beschwere mich nicht über Bierduschen, bepöbele im Affekt auch mal den Schiedsrichter. Meine Frustration rührt einzig und allein daher, dass beim Großteil des C-Blocks nicht das Spiel im Vordergrund zu stehen scheint, wo doch das Spiel der Grund ist, warum ich ins Stadion gehe. Wahrscheinlich ist meine (innere) schrittweise Abkehr von der aktiven Fanszene auch nur die logische Konsequenz der Tatsache, dass der Altersdurchschnitt im Block gleich bleibt, während ich immer älter werde. Als ich anfing in Leverkusen ins Stadion zu gehen, mit Mama und Papa und meinem kleinen Bruder (mit dem ich heute noch jedes Spiel besuche, beste Stadionbegleitung der Welt), hieß die BayArena noch Ulrich-Haberland-Stadion und wir saßen in der „Family Street“ mit eigenem McDonald’s. Als Kind fand ich das ganz großartig, genau wie unsere Plätze: erste oder zweite Reihe, auf Höhe der Mittellinie. 15 Jahre später spiele ich immer stärker mit dem Gedanken dahin zurückzukehren, wo alles begann, und meine C-Block- gegen eine B-Block-Dauerkarte einzutauschen. Wieder mehr Fußball und weniger Drumherum.

Sonntag, 28. August 2011

über den fc bayern münchen - der bericht einer geläuterten

in diesem post soll es ausnahmsweise mal um den fc bayern münchen gehen. auslöser dafür war die diskussion des gestrigen spiels gegen den 1. fc kaiserslautern im heutigen doppelpass. selbst als nicht-fan, nämlich, geht mir die wahrnehmung & darstellung des vereins in den medien, aber auch in fankreisen anderer vereine, dermaßen gegen den strich, dass ich das jetzt mal niederschreiben muss.
woran liegt es beispielsweise, dass die leistung der bayern immer schlecht geredet werden muss? gewinnen sie erneut zu null & belegen aktuell den ersten tabellenplatz, heißt es im doppelpass, dass sie bisher noch nicht mit schwierigen gegnern konfrontiert waren. gladbach, okay. lautern, geschenkt. aber hamburg? sonst ist der hsv immer der traditionsverein, nie abgestiegen, bundesliga-dino, einer, der immer oben mitspielt. aber als bayern-gegner nicht ernstzunehmen. immer so wie's passt. dass der hsv, der zuvor nur unglücklich in die saison gestartet war, erst mit der bayrischen 5:0-klatsche im eigenen stadion zu ebendiesem nicht ernstzunehmenden (wenn man es denn überhaupt so nennen will) gegner deklassiert wurde, wird ignoriert. (ebenso das 6:0 letzte saison.)
warum kann nicht einfach konstatiert werden, dass die bayern stark gespielt und zurecht gewonnen haben? und ich meine jetzt nicht nur gestern - da sind zwei der drei tore durch elfmeter gefallen, ich weiß - sondern allgemein. ich hab' keine andere erklärung dafür, als dass man sich grämt, nicht selbst die klasse und den erfolg eines fc bayern münchens zu haben. das wäre allerdings ziemlich traurig und ist mir auch als erklärung zu einfach.
der vielzitierte bayern-dusel ist da auch so 'ne sache. 'ne urban legend, ein moderner mythos, wahrscheinlich von irgendwelchen halbstarken bayern-hatern erdacht*. wenn die bayern zwei halbzeiten lang das spiel dominieren und nimmermüde auf's tor spielen, aber erst in der 85. der knoten platzt und das 1:0 fällt, war's der bayern-dusel, klar. natürlich haben die bayern auch mal glück & gewinnen unverdient ein spiel, aber in den genuss kommt jeder andere verein auch mal. und nicht jedes späte tor der bayern ist unverdient, sondern meistens das ergebnis harter arbeit. (diese aussage beruht auf den bayern-spielen, die ich in den letzten 12 monaten gesehen hab.)
ich muss zugeben, dass ich das nicht immer schon so gesehen hab'. ich hatte auch jahrelang die bayern-hater-brille auf, aber seit ich das undenkbare gewagt habe & ein beziehung zu einem bayern-fan eingegangen bin, habe ich begonnen, mich überhaupt mal näher mit diesem verein zu beschäftigen. ich glaube tatsächlich, dass die meisten viele viele bayern-kritiker das gar nicht tun. (also sich auseinandersetzen, nicht beziehungen eingehen. wobei das bestimmt auch helfen würde.) die hauen drauf, weil es einem so einfach gemacht wird draufzuhauen. ich stelle mir das unglaublich anstrengend vor bayern-fan zu sein. diesen ganzen unsäglichen unsinn, den man sich da ständig anhören muss - das ist vielleicht sogar noch anstrengender als der ganze "leverkusen hat keine fans, keine stimmung, keine daseinsberechtigung"-quatsch. deshalb finde ich es in keinster weise einfach bayern-fan zu sein. dortmund ist einfach. dortmund ist das neue bayern. als dortmund-fan kriegste noch 'nen anerkennenden klaps auf die schulter, weil die jungs ja alle sooo sympathisch sind und so talentiert und der klopp und die südtribüne und üüüberhaupt. <3
sorry, ich schweife ab. ich hab' ja auch nichts gegen den bvb. nur gegen die fans. (nein, auch das nicht. ich schreibe mich nur gerade in rage.)
es könnte natürlich durchaus sein, dass ich nicht nur die bayern-hater-brille abgelegt, sondern inzwischen die bayern-(fan-)brille aufgesetzt hab', aber nein, dafür spielt der fc bayern (meistens) einfach zu guten, schönen fußball, sind die spieler einfach zu sympathisch (man denke da nur an das traumpaar müller/gomez, und das nicht nur beim gestrigen spiel & im anschließenden aktuellen sportstudio). wenn man fußball-fan ist, muss man nicht zwangsläufig auch bayern-fan sein, aber doch zu würdigen wissen, was die münchner einem mitunter an fußballerischem hochgenuss bieten. ich will mir die bundesliga jedenfalls nicht ohne die bayern vorstellen.

in diesem sinne: NUR DER SVB! aber gut, dass es in der liga jemanden gibt, an dem wir uns messen können. und am 7. spieltag holen wir in der allianz arena die 3 punkte.

* ich stelle gerade fest, dass es einen wikipedia-artikel zum bayern-dusel gibt, der besagt, dass der begriff bereits in den 70ern entstanden ist. aber "halbstarke bayern-hater" hat einen schönen klang, ich lass' das jetzt so.

Donnerstag, 18. August 2011

stefan kießling - 8403 people like this

als stefan kießling am vergangenen sonntag im spiel gegen bremen in der 68. minute ausgewechselt wurde, konnte man die welle der sympathie, die durch den c-block schwappte, förmlich spüren. obwohl er auf dem platz nun wahrlich nichts gerissen hatte - ich erinnere mich nicht an eine bemerkenswerte spielszene seinerseits -, gab es "stefan kießling"-sprechchöre und standing ovations allerorten. und diese vielsagenden blicke im block, die alle das sagten, was mir in dem moment auch durch den kopf ging: "ach, der kies, der ist soo nett. der identifiziert sich so mit dem verein, und postet immer so nette sachen im facebook".
es nimmt ihm keiner (mehr) übel, dass er das tor nicht mehr trifft; klar, es ist schade, vorallem für ihn, aber irgendwie auch latte*. wenn er morgen wieder bei facebook erzählt, was er seiner frau zu essen gekocht oder welchen film er mit seinem sohn im kino gesehen hat.
kürzlich wurde stefan kießlings neue homepage gelauncht. ich finde sie - gelinde gesagt - katastrophal, und das nicht, weil sie aussieht wie bild.de, das ist super witzig. die inhalte dort sind einfach nur traurig, wenn sie ernst gemeint sind:
Seit 2006 ist Leverkusen Lebensmittelpunkt von Stefan Kiessling. Hier ist er seiner Frau Norina das erste Mal begegnet. In Opladen haben sie ihre Hochzeit gefeiert. Sohn Tayler ist in Leverkusen zur Welt gekommen und geht dort in den Kindergarten. Sie haben ein Haus gebaut und leben nun in Monheim.
ich glaube, man muss opladen und monheim nicht kennen, um zu verstehen, was ich meine.
aber genau solche texte machen diesen mann zu einem solchen sympathieträger und zur identifikationsfigur. und zu einem krassen gegenentwurf zu spielern wie beispielsweise arturo vidal, dessen unrühmlicher abgang mich wirklich sehr enttäuscht hat. (und in diesem fall bin ich tatsächlich mal nachtragend.)
gestern hat kies sich im facebook sogar direkt an die jungs (& mädels) von nk12 gewendet & sein kompliment für die renovierung des stadionecks ausgesprochen: Ich wollte auch nochmal ein Kompliment aussprechen, an die Leute, welche das Stadioneck12 neu aufgebaut haben!!! Werde es mir auch mal persönlich anschauen :-)
wenn's nach mir ginge, könnte kießling bis zu seinem karriereende bei uns bleiben. bloß: der derdiyok, den sollte dutt in zukunft lieber mal von anfang an und als zweite spitze neben kies bringen...

*oh. no pun intended!

Montag, 15. August 2011

zwei karten, einmal popcorn und eine cola, bitte

gestern waren vier arbeitskollegen mit im stadion, um sich im a-block das spiel leverkusen gegen bremen anzuschauen. vereinszugehörigkeit der gäste: düsseldorf, köln, saarbrücken (alle männlich), markus rosenberg, nach 80 minuten sandro wagner (weiblich).
in der halbzeit bahne ich mir also den weg vom c-block rüber zu a, um den - sonst so geschätzten - kollegen 'hallo' zu sagen - und muss dort die gesamte liste an leverkusen-vorurteilen, von allen vieren gleichzeitig vorgetragen, über mich ergehen lassen.
"da stimmt ja was nicht, wenn die gästefans im eigenen stadion lauter sind als die heimfans!"
"das ist ja total klein hier. warst du schon mal in 'nem richtigen stadion?"
"hier ist echt keine stimmung."
aber mein absolutes highlight, weil leider auf eine traurige art zutreffend, war:
"ich komm' mir gar nicht vor wie im stadion, sondern eher wie im kino."
ich will hier gar nicht zu großen erklärungen ansetzen, vieles habe ich auch in meinem rundum-frust-eintrag im mai bereits abgearbeitet, aber die frage, die bleibt, ist: kommt euch miesmachern nicht in den sinn, dass all die von euch genannten dinge, uns fans am meisten stören? you're preaching to the choir, dude. ich weiß das alles selbst. mit dem unterschied, dass ich in zwei wochen wieder in dem block stehe, wo es scheinbar unmöglich ist, auch nur vier zeilen gemeinsam fehlerfrei zu singen, während du zurück bei deinem über-verein in deinem über-stadion bist.
aber das ist ja das schöne am fußball. jeder hält seinen eigenen verein stets für den geilsten club der welt.

fazit eines werder-fans auf der rückfahrt im pendelbus: ein auf der dortmunder südtribüne aufgestellter kicker würde für mehr stimmung sorgen, als die leverkusener heim-fans.
die alte leier kreativ verpackt. geht doch!